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Journalistentage: Weblogs als Expertenfundus nicht unterschätzen

Die oft als trivial und banal kritisierten Weblogs werden nach Ansicht mancher Experten von Journalisten unterschätzt. Zwar drehten sich etwa 90 Prozent der Weblogs tatsächlich um rein Privates, allerdings würden nicht wenige Blogs auch von ernst zu nehmenden Fachleuten betrieben. Darauf wies der Leiter des Studiengangs Online-Journalismus an der Fachhochschule Darmstadt, Prof. Lorenz Lorenz-Meyer, am Donnerstagabend bei den Frankfurter Journalistentagen hin. “Für fast jedes Thema von Politik bis Wissenschaft gibt es qualifizierte Blogger, die es sich lohnt zu lesen.” Auch bei aktuellen Ereignissen spielen Weblogs eine zunehmende Rolle. So schilderten Betroffene des Hurricans “Katrina” dort ihre Erlebnisse.

Brechreiz. Jawohl, Brechreiz löst sowas bei mir aus. Immer dieses elitäre “Tagebücherblogs-sind-schlecht-aber-Fachblogs-von-Profis-sind-gut” Gelaber. ?”berhaupt diese Einteilung in gute, weil angeblich irgendwie relevante und professionelle, und schlechte, weil angeblich irrelevante und natürlich ganz amateurhafte Katzenblogs.

Die meisten von uns lösen nun mal nicht die grossen Problem dieser Welt, sondern beschäftigen uns mit ganz normalen Alltagsfragen wie was gibt’s heute in der Kantine, wer gewinnt den Swiss Blog Award oder hat Tim schon wieder alles vollgekotzt.

Deshalb mein kleiner Tipp an alle Journalisten: Unsere Blogs werden nicht für euch geschrieben, damit ihr noch einfacher zu Stories oder Gratiscontent kommt. Sondern für uns.

2 Comments

  1. Da kann ich Dir nur zustimmen; habe ich auch gedacht, als ich das bei heise.de heute Nachmittag gelesen habe.

    Friday, April 7, 2006 at 22:40 | Permalink
  2. Gris-Gris wrote:

    Je älter ich werde, desto mehr staune ich! IMHO ist die Sache doch recht einfach. Ich versuche, das Ganze mal kurz zu sytematisieren:

    (1) Vor einigen Jahren wurde die Blogsoft erfunden, // dazu gingen immer mehr Menschen online, die Zugänge wurden da und dort schneller, Unernehmen rührten die Werbetrommel >> 300 – 400 Millionen Menschen schreiben nun ein Online-Tagebuch (= Blog). Ein weltweites Phänomen, das für Medien- und Kulturfachleute interessant ist. Die schauen hinein, lesen zum Beispiel: “Heute morgen, als ich hinfiel, war ich froh, gut gepolstert zu sein.” Die Fachleute qualifizieren und quantifizieren das alles und stellen schliesslich fest: 90% Prozent Poesiealben. Und sie sagen: das dürfen die Leute ohne Wenn und Aber machen, es ist interessant zu sehen, worüber Jung und Alt so schreiben, wie es geschieht, welche Dinge welches Interesse unter 10, 50, 300 Leuten finden usw. blablabla. Darüber liesse sich event. die eine oder andere Dissertation verfassen.

    (2) Für die Journalisten heisst das: 90% Prozent der Blogs sind für ihr eigenes Medium (bzw. die Konsumenten dieses Mediums) uninteressant. Der Satz “Heute morgen, als ich hinfiel, war ich froh, gut gepolstert zu sein” – er hat nun für ein breites und grosses Publikum einfach keinerlei Relevanz. Das MUSS man halt einfach begreifen WOLLEN. In den restlichen 10% der Blogs finden sich aber tatsächlich gelegentlich relevante Dinge. Fachbeiträge von qualifizierten Juristen, Medizinern, Naturwissenschaftern, Medienfachleuten, seltener auch von Politikern und so genannten Grasswurzlern (= freie Journalsiten – ein Spezies übrigens, die es im Analogen auch immer schon gab, nun sind Teile von ihnen halt online), bei Grossereignissen wie Terrorabschlägen schliesslich sogar auch mal Laienbeiträge wie Handy-Fotos usw. – aber Letzteres ist zum Glück die Ausnahme. Alles Ebengenannte kann das haben, was ich vereinfachend als “Newswert” bezeichnen möchte. >>> Es kann sich für Journalisten lohnen, 10% der Blogs zu beobachten.

    (3) Auf einer völlig anderen Diskussionsebene ist die Frage angesiedelt, wie die Medienkonsumentin/der Medienkonsument von morgen (und teilweise schon von heute) “konditioniert” ist. Tatsächlich scheint die Tendenz für die grosse Masse von ihnen zu sein: häppchenartige Informationen. Ergono-physiologisch-medialpsychologisch-begründet und im Gefolge entsprechend formalisiert. Schau dir Blick Online oder 20minuten Online an und begreife, dass dir im Alter drohen könnte, an solchen Pseudo-Organen informativ zu verhungern. >>>> Es braucht gut ausgebildete Online Journalisten (du linkst zu einer Ausbildungsstätte für selbige), aber auch entsprechende “Gefässe”. SpOn ist nicht das schlechteste unter ihnen – und doch noch nicht das Gelbe vom Ei, d.h. kein Ersatz für die Zeit-Printausgabe. ;)

    (4) Was die Herausbildung adäquater Gefässe (+ Heranbildung qualifizierten Nachwuchses, siehe oben!) so problematisch macht: das Investitionsrisiko ist hoch, die Zielgruppe(n) sind nebulös usw. blablabla. Im Kampf um Werbegelder (bitter nötig für die Investitionen) treten neue Interakteure als Konkurrenten auf (Stichwort Gebrüder Jamba). Das Internet beinhaltet neue, für die traditionellen Medien gefährdende Werbe- und Vertriebsformen… sprich: die Geldströme landen woanders. >>>>> Das ist auch Demokratie-politisch problematisch, weil die 4. Kraft dünnt immer mehr aus. Siehe auch: Pressekonzentration.

    (5) Schluss+Abbitte (Gutfeldtscher Rosenkranz): Alle lieben die Posiealben-Kultur. Auch Ich schreibe ein Poesiealbum. Es ist irrelevant. Aber das ist auch gut so! Und es ist mir gestattet, es zu schreiben. Jeden Morgen verachte ich das elitäre Gelaber, jeden Abend ergötze ich mich an der Volkskultur. Amen!

    Saturday, April 8, 2006 at 01:58 | Permalink